29.10.2011 |

Interview mit Prof. Dr. Michael Ehrke

Dual Studierende: Hessen hat noch ziemlich Nachholbedarf

Das Projekt Duales Studium der IG Metall geht nach zwei Jahren dem Ende entgegen, in der Fachtagung am 3. November sollen Ergebnisse vorgestellt werden. Welche sind das?
Wir konnten im Ergebnis unserer Befragungen, Workshops und Expertengesprächen zeigen, dass für diese betriebsnahe Studienform noch viel Wachstum drin ist, wenn man es richtig macht. Vor allem die mittelständische M+E-Industrie ist noch gar nicht richtig gewonnen, obwohl gerade in diesem Segment der Wettbewerb um Fachkräfte und Ingenieure immer härter werden wird. Von den fast 700 Ausbildungsbetrieben, die wir in die Untersuchung einbezogen haben, würden nach unserer Berechnung rd. 400 in das duale Studium einstiegen, wenn sie wüssten wie und ob es passt....
Mit Betrieben und Hochschulen wurden sieben neue Studiengänge für Hessen entwickelt, die Zug um Zug von 2012 an umgesetzt werden. Welche sind das und warum liegt gerade in diesem Bereich eine Notwendigkeit?
Wir haben in diesem Projekt gelernt, dass bestehende Studienangebote den aktuellen Qualifikationsbedarf der M+E-Betriebe zu wenig berücksichtigen. Die klassischen Studienrichtungen wie Maschinenbau und Elektrotechnik verlieren sicher nicht an Bedeutung, aber die meisten Unternehmen benötigen jetzt Ingenieure, die sehr viel von IT-Anwendungen verstehen, ohne reine Informatiker zu sein. Die KMU benötigen „Mischqualifikationen“...
Welche Interesse haben Großunternehmen, welches mittelständische Unternehmen der M+E-Industrie an dual Studierenden?
Nach unseren Untersuchungen hat das duale Studium für alle Unternehmen, ob groß ob klein, deutliche Vorteile. Das beginnt bei der Abbrecherquote, die in den MINT-Fächern sehr hoch ist, im Dualen Studium praktisch nicht vorhanden und endet bei der hohen Betriebskenntnis der Absolventen, was die Einarbeitungszeiten natürlich verringert. Oft genug liefern die Studierenden ja schon mit ihren Bachelor-Abschlussarbeiten wichtige betriebsbezogene Lösungen ab. Für den industriellen Mittelstand, der in unserem Bezirk überwiegt, ist es die Chance, im Wettbewerb um Köpfe zu bestehen...
Hessen will die Zahl der dual Studierenden erheblich erhöhen. Gibt es auch in anderen Bundesländern solche Bestrebungen?
In Hessen studieren derzeit in dualer Form ganze 1,2 Prozent aller Studierenden. An den Berufsakademien sind rd. 1.000 Dual Studierende eingetragen. Wir werden dies auf unserer Bezirkstagung genauer darstellen. In Baden-Württemberg beträgt die Zahl derzeit rd. 20.000, im ganzen Bundesgebiet über 50.000 duale Studierende. Da merkt wohl jeder, dass es in Hessen noch viel zu tun gibt. Darüber werden wir ja am 03. November beraten.

Fachtagung am 3. November in Frankfurt

Dual studieren - neue Wege vom Facharbeiter zum Ingenieur

Eine neue Ausbildungsform etabliert sich bundesweit:
das Duale Studium. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung stieg das Angebot an dualen Studiengängen in Deutschland in 2010 um 12,5 Prozent. Die Zahl der beteiligten Unternehmen wuchs um rund neun Prozent, die der Studierenden nahm um mehr als sechs Prozent zu.
Auch in den vier Bundesländern unseres Bezirks laufen hierzu Kampagnen. Die IG Metall hat sich mit einem eigenen, vom Land Hessen geförderten Forschungsprojekt auf den Weg gemacht, Handlungsbedarfe und Handlungsmöglichkeiten zum Ausbau des dualen Studiums zu ermitteln.
Es geht um die Ausgestaltung neuer Wege für Facharbeiter/ innen zum Ingenieurberuf. Darin steckt eine neue Mitbestimmungsaufgabe im Betrieb und eine tarifpolitische Aufgabe. 

Statements

Günter Ludwig, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Dillinger Hütte, Dillingen: "Wir haben 20 dual Studierende im Unternehmen. Wir haben mit dieser Ausbildungsform sehr gute Erfahrungen. Wir haben eine Richtlinie vereinbart, in der der Betriebsrat 100% Mitsprache bei der Auswahl der dual Studierenden hat. Jeder, der dual studieren will, führt auch ein Gespräch mit dem Betriebsrat."

Yasin Baser, dual Studierender bei Federal Mogul, Wiesbaden: "Ich bin während der Technikerausbildung auf dei Möglichkeit des dualen Studiums aufmerksam gemacht worden. Jetzt mache ich ein berufsintegriertes Studium an der Hoschule Rhein Main in Wiesbaden für Techniker und Meister. Seit 15 Jahren bin ich bei Federal Mogul und habe ein gutes Gesamtbild, was Praxis und Studium angeht."

Frank Baumeister, JAV-Vorsitzender Opel Rüsselsheim: "Wir haben bei Opel in Rüsselsheim derzeit 20 dual Studierende. Ihre Vergütung ist klar geregelt, sie haben einen Ausbildungsvertrag, der von der IHK anerkannt ist und sind finanziell abgesichert. In den letzten drei Semestern ihres acht Semester dauernden Bachelor-Studiums gehen sie in verschiedene Ingenieurabteilungen und sammeln praktische Erfahrung. Bei Opel werden alle Bachelor-Absolventen übernommen."

Nils Rohde, KIS-E-Student: "Ich studiere einen ganz neuen Studiengang: KIS-E. Das ist derzeit ein Pilotprojekt von Opel in Rüsselsheim mit sieben Studenten (sechs Männer und eine Frau). In den ersten fünf Semester mache ich neben dem Studium eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik. Ich will nach dem Bachelor-Abschluß wahrscheinlich auch noch mein Master-Studium beginnen."

Thomas Stocker (li) und Marc Schmidt (re.), stellvertretender Sprecher Bildungsausschuß und JAV-Vorsitzender, Volkswagen Baunatal: "Wir haben seit 2006 in einem Haustarifvertrag geregelt, wie wir mit dualem Studium und den Studierenden umgehen. Darin ist auch unter anderem die Mitbestimmung im Auswahlprozeß, Entgeltfragen, Urlaubstage geregelt. Wir haben 60 Studenten im Praxisverbund und nennen sie intern "Stips". Wir versuchen, durch regelmässige Gespräche Kontakt zu halten und zu erfahren, wo es Schwierigkeiten gibt. Positiv ist, dass einer der dual Studierenden auch in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) mitarbeitet. Er ist Ansprechpartner für uns und die Studenten.

JAV-/BR-Kongreß in Oberhof

IG Metall startet Fachkräfteinitiative "Beruf.Bildung.Zukunft"

Mehr als 350 Teilnehmer konnte die IG Metall auf ihrer zweitägigen Konferenz mit Betriebsräte- und Jugend- und Ausbildungsvertreter in Oberhof begrüßen. Unter dem Themenschwerpunkt "Arbeit sicher und fair." wurde über die Zukunftsperspektiven für die junge Generation diskutiert. IG Metall-Bezirksleiter Armin Schild erklärte zu Beginn der Konferenz, der Bezirk starte eine Fachkräfteinitiative mit dem Titel „Beruf. Bildung. Zukunft – Jeden Tag stärker“, in der die IG Metall konkrete Forderungen auf betrieblicher und tarifpolitischer Ebene formuliert. In den nächsten Wochen werde in den Betrieben in einem Betriebscheck ermittelt, wie die Aus- und Weiterbildungschancen von jungen Menschen seien. Ein tarifpolitisches Ziel sei die unbefristete Übernahme für alle. 
Die Initiative der IG Metall ziele auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen und respektvollen Umgang während des gesamten Erwerbslebens. "Es geht darum, wie die Menschen in das Arbeitsleben hinein kommen, wie sie hindurch kommen und wie sie wieder heraus kommen", sagte Schild. Die Verwüstungen am Arbeitsmarkt müssten ein Ende haben. Die IG Metall setze sich dafür ein, dass Starke und Schwache eine Chance in der dualen Berufsausbildung der Metall- und Elektroindustrie haben. In einer Umfrage ermittelte die IG Metall im Bezirk Frankfurt, dass 70% der Beschäftigten die Arbeitswelt als ungerecht empfinden.

12.09.2011 |

Zehn Punkte-Papier der IG Metall

Fachkräftesicherung

Bild: IG Metall

Der IG Metall-Vorstand hat in einem neuen Papier die 10 Eckpunkte für eine nachhaltige Fachkräftesicherung definiert. Diese folgenden 10 Eckpunkte werden im angefügten PDF erklärt und dargestellt. Ein Anhang zu diesen Punkten rundet das Papier ab.

  1. Fachkräftesicherung braucht Realismus 
  2. Fachkräftesicherung braucht einen klugen Maßnahmen-Mix
  3. Fachkräftesicherung braucht Ordnung auf dem Arbeitsmarkt 
  4. Fachkräftesicherung braucht Gute Arbeit
  5. Fachkräftesicherung braucht mehr Menschen in Arbeit
  6. Fachkräftesicherung braucht mehr Ausbildungsplätze
  7. Fachkräftesicherung braucht eine integrierte Personal- und Weiterbildungspolitik
  8. Fachkräftesicherung braucht eine vorausschauende Schul- und Hochschulpolitik
  9. Fachkräftesicherung braucht Regeln für Zuwanderung 
  10. Fachkräftesicherung braucht eine engagierte IG Metall

Tarifrunde 2012

Logo der Tarifrunde 2012

Online Mitglied werden

IG Metall vor Ort

Bild zum Thema Die IG Metall vor Ort

IG Metall Kampagnen

Bild zum Thema Die Kampagnen der IG Metall (Link auf igmetall.de)

Vermögensuhr

Nettoprivatvermögen in Deutschland
alle
Tausend
Millionen
Milliarden
Billionen
Das reichste Zehntel besitzt davon
alle
Tausend
Millionen
Milliarden
Billionen
Das ärmste Zehntel besitzt
arm
Tausend
Millionen
Milliarden